Am 23.02.2026 tauschten wir, die 10. Klassen, den gewöhnlichen Unterricht gegen ein besonderes Abenteuer: Unsere Exkursion führte uns in das Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld, um dort am Planspiel „Mühlbach goes Europe“ teilzunehmen. Das Projekt vom Centrum für angewandte Politikforschung CAP zeigte uns, dass Umweltschutz in Europa nicht nur aus Paragrafen besteht – wir konnten selbst ausprobieren, wie viel Überzeugungskraft und Taktik eigentlich hinter dem Green Deal steckt.
Im Mittelpunkt stand ein erfundenes, aber realistisches Problem: Ein verfallenes Mühlenareal, in dem sich geschützte Fledermäuse angesiedelt haben, sollte saniert werden. Die Herausforderung bestand darin, ein Konzept zu entwickeln, das den Erhalt der Artenvielfalt sichert, da nur so ein EU-Fördergeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro für die Gemeinde Mühlbach gewonnen werden konnte. Jeder bekam eine Rollenkarte und wurde so zu einer Person aus dem Dorf, die dort lebt oder arbeitet. So standen sich dann der Bürgermeister Herr Schneider, der Cafebesitzer Torben Cappuccino, die Kindergartenleitung Mariela Macht und viele weitere Mühlbach-Bürgerinnen und - Bürger gegenüber.
In Arbeitsgruppen „Gasthaus mit Biergarten“, „Mühlenbetrieb“ und „Gemeindezentrum Biodiversität“ entstanden kreative Nutzungskonzepte, wie z. B.:
- Ein Museum zur Biodiversität sowie zur Vogelkunde für Schulen und Kindergärten
- Ein Café sowie Restaurant
- Einrichtung eines Mühlenkindergartens
- Local Gardening zur Versorgung des Kindergartens, der Gastronomie und eines Ladens
Besonders die anschließende Diskussion, in der die Konzepte vorgestellt wurden, forderte uns heraus, da wir lernten, strategische Ziele zu verfolgen und gleichzeitig zuzuhören. Bürgermeister Herr Schneider und sein Referent Herr Schreiner hatten alle Hände voll zu tun, die teils gegensätzlichen Interessen zu moderieren.
Die Rückmeldungen aus den Klassen waren sehr positiv: „Es ist ein tolles Erlebnis, in die Rollen von Erwachsenen zu schlüpfen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Man braucht echt Mut und Überwindung, seine eigene Meinung zu vertreten. Aber es war klasse, durch das viele Reden die eigene Ausdruckweise zu trainieren“, fasste eine Schülerin zusammen. Ein anderer ergänzte: „Mir hat die Teamarbeit gut gefallen, weil sich jedes Teammitglied in die Gruppe einbringen konnte.“ Und wiederum ein weiterer Schüler meinte: „Ich nehme auf jeden Fall mit, dass aus Zusammenarbeit was Großes werden kann.“ Viele fanden es spannend, sich auszutauschen, lebhaft zu diskutieren und sich dabei auch einmal etwas zu trauen. Abgerundet wurde der Vormittag durch einen Expertendialog mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Pottenstein Herrn Weber, Herrn Moosdorf, Vertreter des Mühlenverbands und Frau Berner, Expertin im Bereich Naturschutz und Biodiversität. Hierbei erfuhren wir, wie solche Planungen in der Realität ablaufen. Auch war es möglich, gezielt Nachfragen zu den verschiedenen Fachbereichen zu stellen.
Zum Abschluss unserer Exkursion besichtigten wir eine echte ortsansässige Mühle. Herr Moosdorf führte uns durch eine Sägemühle, die heute auch zur Stromgewinnung genutzt wird und erklärte uns alles ganz genau, so dass wir die im Planspiel besprochenen Strukturen in der Wirklichkeit sehen konnten.
Ein herzlicher Dank für diesen Gewinn bringenden Tag und die Organisation des Planspiels geht an Herrn Dr. Wittenborn, Mitarbeiter des Fränkischen Schweiz Museums, an Frau Dr. Barbara Tham sowie Frau Eva Feldmann-Wojtachnia, die das Planspiel wunderbar erklärten und in allen Phasen des Spiels unterstützend zur Seite standen. Demokratie ist Zuhören, eigene Meinung äußern und gemeinsam Lösungen finden. Wer strategisch denkt und kompromissfähig bleibt, kann die Welt vor der Haustür aktiv mitgestalten.
Rosanna Mühlbach-Griebel, Mareike Tabar